Klinik und Poliklinik für Endokrinologie und Nephrologie - Sektion Nephrologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Nierenbiopsien

Die Nierenbiopsie ist bei vielen Nierenerkrankungen die einzige Möglichkeit eine definitive Diagnose über die klinisch/laborchemisch vermutete Nephropathie zu erhalten.

Die Nierenbiopsie aus der Sicht des Pathologen

(Quelle: Universitätsklinikum Erlangen, Nephropathologische Abteilung)

"Die Nierenbiopsie zur Gewinnung einer Nierenhistologie ist nach wie vor der Goldstandard in der Diagnostik renaler Erkrankungen. Sie ergänzt das Arsenal an diagnostischen Prozeduren, das dem klinisch tätigen Nephrologen für die Erarbeitung der Diagnose und der damit zusammenhängenden Therapieentscheidungen zur Verfügung steht. Die Nierenbiopsie, d.h. die Gewinnung von Gewebematerial, ist oft jedoch unerlässlich, um aus einer Reihe möglicher Differentialdiagnosen zur endgültigen Diagnose und damit zu einer spezifischen Prognose und Therapie für den Patienten zu gelangen.

Die Indikation zur Nierenbiopsie muss den möglichen diagnostischen Nutzen gegen die potentiellen Risiken abwägen. Letztere sind heutzutage sehr gering, da die Technik der Nierenbiopsie seit der erstmaligen Anwendung im Jahre 1951 v.a. durch die Verwendung der Ultraschallsteuerung der Punktion deutlich verbessert wurde. Diese Technik sowie die strenge Indikationsstellung führt dazu, dass heute in knapp 99% aller biopsierten Patienten eine histologische Diagnose erzielt werden kann und auch die Größe der Biopsie, gemessen anhand der Zahl der erfassten Glomeruli, meistens in der Regel in der Größenordung der für eine Diagnose erforderlichen 10 Glomeruli liegt.

In jüngster Zeit erfährt die Nierenbiopsie zudem durch ihren vermehrten Einsatz in der Nierenbiopsiediagnostik nach Nierentransplantation, zur Erkennung etwaiger Abstoßungsepisoden, von Medikamententoxizität oder Infektionen der transplantierten Niere, und hier insbesondere durch die Einführung von sog. Protokollbiopsien, d.h. in regelmäßigen Zeitabständen durchgeführten Nierenbiopsien, eine weitere Indikationsausweitung. Der zunehmende liberalere Einsatz der Nierenbiopsie und die Ausweitung der Fragestellungen, die im Rahmen der Gewebsentnahme bearbeitet werden sollen, stellt auch an die Aufarbeitung des Materials höhere Ansprüche. So genügt vielfach nicht mehr nur die etablierte Aufarbeitung des Biopsiematerials für lichtmikroskopische, Immunfluoreszenz - oder immunhistologische Untersuchungen sowie die Elektronenmikroskopie, sondern es sollte auch Frischgewebe asserviert werden für ergänzende, in der Regel für molekulare Untersuchungen.

Das Ausmaß an zusätzlichem Erkenntnisgewinn über pathogenetisch bedeutsame Gene oder Mechanismen der unterschiedlichen Erkrankungsgruppen kann durch Kombination morphologischer Methoden wie z.B. der Laser-assistierten Mikrodissektion bestimmter renaler Kompartimente und hoch sensitiver molekularer Methoden (TaqMan PCR Untersuchungen) sowie der sog. high through-put Methoden (z.B. cDNA Arrays) noch deutlich erhöht werden.

Für die Zukunft dürfen hier sicher noch weitere Synergieeffekte aus der Kombination morphologischer, morphometrischer, molekularer und vermutlich auch genetischer Marker und Befunde erwartet werden, die zum Ziel haben, eine noch bessere und v.a. individuellere Abschätzung der Prognose und Abstimmung der Therapie zu ermöglichen."

Sie können jederzeit Ihre Patienten elektiv zur Nierenbiopsie einweisen. Um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, möchten wir darum bitten, dass die Patienten bereits aufgeklärt und mit kleinem Blutbild, Gerinnung (Quick, PTT) zu uns kommen. Antikoagulantien sollten ca. 1 Woche abgesetzt sein. Sonderfälle können gerne mit uns vorab besprochen werden. Wenn alle diese Dinge gewährleistet sind, wird der Patient im Normalfall am gleichen Tag bioptiert und am nächsten Tag nach einer Kontrolluntersuchung wieder entlassen. Wir möchten ebenfalls darauf hinweisen, dass der Blutdruck möglichst normnah eingestellt sein sollte.

Ablauf

Gewöhnlich bioptieren wir zwischen 11.30 Uhr und 13.00 Uhr. Die Patienten dürfen nichts gegessen haben. Morgenmedikamente können mit Flüssigkeit eingenommen werden. Vor der Punktion werden die Nieren vermessen und für die Punktion eine örtliche Betäubung gesetzt. Im Regelfall spürt der Patient von dem gesamten Vorgang nichts weiter als einen leichten Druck.

Nach der Punktion erhalten die Patienten einen Sandsack zur Kompression der Punktionsstelle und müssen dann 24h strenge Bettruhe einhalten. Im Optimalfall sollte der Patient während dieser Zeit ständig auf dem Rücken liegen. Nach den 24h Bettruhe erfolgt eine erneuter Ultraschall, um zu überprüfen, ob sich Hämatome bzw. arteriovenöse Fisteln entwickelt haben. Ist alles in Ordnung, kann der Patient unmittelbar danach aufstehen und nach Hause entlassen werden.

Nach erfolgter Punktion werden die Bioptate umgehend an die Nephropathologische Abteilung der Universität Erlangen-Nürnberg geschickt. In der Regel erhalten wir bereits im Verlauf des Nachmittags des nächsten Tages einen schriftlichen Vorabbefund. Bioptate von Transplantatnieren werden besonders wenn ein Verdacht auf Abstoßung besteht, noch schneller bearbeitet. Ca. 2-3 Tage nach der Nierenpunktion erhalten wir den abschließenden Befund per Fax. Alle Befunde werden bei uns in elektronischer Form als PDF-Dateien im Netzwerk verwaltet und können von der einweisenden Kollegen über unsere Kontaktpersonen als Fax oder per email abgerufen werden.


Ab November 2009 erhalten Sie die Befunde unaufgefordert per Fax. Desweiteren werden im Arztbrief Statements zur aktuellen Situation, zur Therapie sowie die zu erwartende Prognose integriert.

Sollten wir in der histologischen Befundung Fälle feststellen, die eine umgehende Therapieeinleitung benötigen, so kontaktieren wir die Patienten oder deren betreuenden Ärzte auf direktem Weg.

Hier können Sie noch einmal die Liste unserer Ansprechpartner einsehen.

 
Letzte Änderung: 28.04.2011, 15:22 Uhr
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